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Abiturklasse schnuppert Archiv-Luft

„Wenn das Tor zu ist, dann kommt niemand mehr heraus!“ begrüßte Berd Kress, pädagogischer Mitarbeiter der Zentrale Stelle (ZSt) zur Aufklärung national-sozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg die Schülerinnen und Schüler Jahrgangsstufe 2 des Technischen Gymnasiums der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule aus Mühlacker. Die besonderen Sicherheitsvorkehrungen des Archivs erklären sich weniger mit der einstigen Nutzung des Gebäudes als Frauengefängnis, sondern vielmehr mit seiner Zugehörigkeit zur Justizverwaltung.
Das Archivgut bietet einen nahezu vollständigen Überblick über die an bundesdeutschen Staatsanwaltschaften und Gerichten anhängig gewesenen NS-Verfahren. Warum das ZSt noch nicht vollständig auf digitale Nutzung umgestellt ist, begründete der Leiter, Dr. Peter Gohle, damit, dass seit den 1960er Jahren immer wieder angedacht worden sei, das Archiv aufzulösen.
Die Schülerinnen und Schüler tauchten in Begleitung ihrer Lehrerinnen Maike Krieger und Rita Klöble in einer Kombination aus Ausstellungsrundgang, Archivbesichtigung und Gruppenarbeit in die Welt der Karteikarten ein. Am Beispiel des Prozesses gegen Wilhelm Boger beleuchteten sie mit kopierten Schriftstücken den Gang eines Ermittlungsverfahrens. Sie untersuchten die dem Angeklagten vorgeworfenen Straftaten jeweils aus der Sicht von Be- und Entlastungszeugen, der Staatsanwaltschaft sowie des Richters.
Der Vorstellung der Arbeitsergebnisse folgte eine lebhafte Diskussion über das gefällte Urteil sowie den Sinn, heute, mehr als 70 Jahre nach Kriegsende, hochbetagte Täter anzuklagen und zu verurteilen. Diese Notwendigkeit hatte Peter Gohle eingangs mit den Prinzipien unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung erklärt, nämlich der Pflicht des demokratischen Rechtsstaats, NS-Verbrechen aufzuarbeiten.

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